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Über der Stadt

Der Wind zerzaust sein Haar. Er atmet schwer. Der Straßenlärm einer Großstadt dringt zu ihm. Um ihn her türmen sich riesige Hochhäuser auf, doch aus seiner Position verlieren sie einen Teil ihrer Macht. Seine Beine zittern. Immer wieder wagt er einen Schritt vor, um dann nach einem kurzen Blick gen Boden wieder erschrocken und verängstigt nach hinten zurückzuweichen. Tiefe Trauer und Wut erfüllt ihn. Verzweifelt ist er. Sein Leben scheint nicht mehr lebenswert. Oben steht er. Zwischen Leben und Tod, auf der Schwelle. Oben steht er. Über der Stadt der Gewohnheit. Über der Stadt der oberflächlichen Freude. Er fühlt nur noch Schwere, die ihn nach unten zieht, die ihn droht zu verschlingen. Er fühlt die Schwere, die ihn ins Vergessen ziehen will. Der Kampf wütet heftig. Noch einmal zieht sein Leben an ihm vorbei. Jeder Fehler wird ihm bewusst, jede Fehlentscheidung und jeder Schicksalsschlag kommt ihm neu ins Bewusstsein. Wie ein Film sieht er noch einmal die Geschichte, die ihn in diese Höhe brachte. Die Zeit scheint stillzustehen. Jedes Detail erlebt er noch einmal. Die unglaublichen Hitzewogen, die Verzweiflung, die Freude und die Trauer. Die Entscheidung, die sein Leben brandmarken sollte. Viele Versuche scheiterten diese Entscheidung zu revidieren. Sein Blick blickt glasig nach vorne, bemerkt in einem Fenster in dem Hochhaus vor sich ein Pärchen. Verträumt liegen sie gemeinsam und sehen nur sich. Glücklich küssen sie sich und genießen die Zeit. Seine Augen füllen sich weiter, bis ein Wimpernschlag eine Flut auslöst, die seine Wangen herunterrollt. Auf seinem Kinn treffen sich zwei Flutwellen, verbinden sich und fallen. Sie fallen tief. Sie fallen ins Vergesssen. Sie fallen in die Glückseligkeit. Sein Herz blutet, sein Blick ist leer, seine Augen gefüllt. Ein Ruck der Entschlossenheit geht durch seinen Körper. Und er fällt in das ewige Vergessen.
12.8.07 16:52
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Helena / Website (20.9.07 17:19)
Bei solchen Texten hoffe ich immer bis zuletzt dass er nicht springt...


Helena / Website (20.9.07 18:07)
Ich bin ja froh dass du mir nicht böse bist für das herumkritteln. Hab jedes Mal ein schlechtes Gewissen dabei wenn ich negativ kritisiere.. xD

Wenn du meinst, dass die nötige Dramatik fehlt, wenn er nicht springt, dann wäre es doch wohl eine Herausforderung eine Geschichte zu schreiben, in der Dramatik und Spannung nicht zu kurz kommen, er aber trotzdem NICHT springt?
(Ich weiß natürlich nicht, inwiefern das mit deiner... "Lebenseinstellung" zusammenpasst. "Negativer" gestimmte Menschen können sich hiermit vielleicht eher identifizieren, es dürfte schwer sein über was Optimistisches zu schreiben wenn du selbst eher Pessimist bist)

Liebe Grüße


Helena / Website (20.9.07 18:09)
Ansonsten gefällt mir die Geschichte hier übrigens sehr gut. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass du die Gründe, die hier als so wichtig angedeutet werden aber keineswegs erklärt werden, noch in einer ... Nebengeschichte einmal darstellen würdest ^^ (Ich bin ein furchtbar neugieriger Mensch, und wenn vor meiner Nase mit was Interessantem herumgefuchtelt wird darf man das nachher nicht einfach wieder wegtun ohne dass ich erfahren hab was es war =P)


amaranth (21.9.07 00:22)
Ich denke, dass Vergessen etwas Schönes ist. Dass wir manchmal das ewige Nichts brauchen, damit unsere Wunden geheilt sind.


Timo (21.9.07 06:48)
interessante sichtweisen... mehr davon =D

@helena hab dir ja ne mail dazu geschrieben...

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